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Marco Odermatt: «Ich muss ein Frechdachs sein»

Riesenslalom-Spezialist Marco Odermatt gehört zu den Hoffnungsträgern von Swiss-Ski. Der bald 20-jährige Buochser spricht über seine Verletzung, Olympia und Vorbild Didier Cuche.
04.10.2017 | 05:00

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Marco Odermatt, Sie sind in Ihrer Karriere bisher stetig aufgestiegen – bis zum Schweizer Hoffnungsträger im Weltcup. Anfang dieses Jahres stoppte Sie eine Verletzung. Kommen Sie in diesem Winter gestärkt zurück?

Während einer Verletzungspause lernt man extrem viel. Vorher bin ich Gott sei Dank immer gesund geblieben, doch schätzte ich dies gar nicht richtig. Fühlt sich mein Knie jetzt gut an, bin ich gut gelaunt auf den Ski, selbst wenn die Bedingungen schlecht sind. Ich habe gelernt, mit weniger Ressourcen mehr herauszuholen.

Im Januar erlitten Sie im Europacup in Val d’Isère diese Verletzung am Meniskus. Wie ging es danach weiter?

Gleich nach dem Unfall liess ich mich im Balgrist-Spital in Zürich operieren. Nach einem Unterbruch konnte ich den Aufbau machen. Grundsätzlich geht es mir jetzt gut, der zuvor kaputte Meniskus hält wieder. Bei der Verletzung entstand allerdings ein Knorpelschaden, dieser macht mir noch am meisten Probleme.

Sie waren im Spätsommer einen Monat lang in Neuseeland, dort gingen Sie wieder auf Schnee trainieren. Wie ist es gelaufen?

Ich kann Skifahren, ich kann schnell fahren, aber ich absolviere nicht 10 bis 15 Läufe am Tag, weil dieser Umfang von der Belastung her noch nicht unbedingt gehen würde. Ich hoffe, dass es mir zusehends besser geht.

Zum ersten Mal waren Sie in Neuseeland. Hat Sie das Land «down under» beeindruckt?

Allein die Reise war sehr lange, wir sind zwei Tage praktisch nur unterwegs gewesen. Der Aufwand mit dem ganzen Material ist sehr gross, aber es hat sich sicher gelohnt. Es war ein Erlebnis, ich sah Neues von der Welt. Als Alternative zu Zermatt und Saas-Fee war Neuseeland eine coole Abwechslung.

Sie gewannen dieses Jahr den Sporthilfe-Nachwuchspreis. Das Preisgeld von 12000 Franken planten Sie in einen Kraftraum zu investieren. Setzten Sie diese Idee um?

In Buochs haben wir einen Kanuclub, der in einem ziemlich neuen Wassersportzentrum am See zu Hause ist. Im dortigen Kraftraum darf ich mittrainieren, und ich habe drei Geräte von mir dazugenommen. Toll ist, dass dort im Sommer nach dem Training ein kühles Bad im nahen See wartet.

Erleichtert dürften Sie sein, dass Sie die Matura an der Sportmittelschule Engelberg erfolgreich abschlossen.

Das war auf jeden Fall eine Erleichterung. Ich konnte seither einen weiteren Schritt machen, fokussiere mich nun ganz auf meinen Job als Skirennfahrer.

Letztes Jahr belegten Sie in Sölden beim Weltcup-Debüt Platz 17. Werden Sie Ende Oktober in Sölden starten?

Das ist sicher das grosse Ziel. Ich hoffe, dass mit dem Knie alles gut geht und der Start möglich ist. Nach einer Verletzung ist es immer schwierig, Ziele zu stecken. Klar, im Hinterkopf ist Olympia in Pyeongchang, aber jeder weiss, für die Qualifikation braucht es zwei Top-15-Plätze. Ich werde alles dafür geben; wenn es klappt, ist es super, sonst habe ich in vier Jahren die nächste Chance.

Sie müssen künftig mit einer Startnummer zwischen 50 und 55 starten. Ein Nachteil?

Die Aufgabe wird nicht leichter, doch grundsätzlich schaffst du es, wenn du sehr gut Ski fährst, auch mit dieser Nummer in den zweiten Lauf, und wenn du nicht gut fährst, dann schaffst du es auch mit der 20 nicht.

Die NZZ schreibt, von der lockeren Art und vom Kleiderstil her könnten sie ein Freestyler sein. Ist das richtig?

Kleiderstil würde ich jetzt nicht unbedingt sagen, aber Fabian Bösch, der Freestyler aus Engelberg, ist ein sehr guter Kollege von mir. Wir gingen früher sehr oft zusammen jumpen. Diese Sprünge können mir auch heute in den Rennen in Sachen Lockerheit und Mut auf den Ski helfen.

Ihr Trainer sagt, Sie seien ein Frechdachs. Bleibt das so?

Mit den neuen Ski wird es noch wichtiger, ein Frechdachs zu sein. Im Weltcup fahren alle so stark, da musst du noch mehr riskieren.

Zu diesem Fahrstil passt auch Ihr Vorbild Didier Cuche.

Er ist mein einziges Vorbild gewesen. Bis er aufhörte, verfolgte ich jedes seiner Rennen. Fahrer wie Ligety und Pinturault habe ich wegen des Fahrstils analysiert, nur mit Cuche litt ich auch emotional mit.

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