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SKI ALPIN

Ein Volksfest für Feuz

Beat Feuz gewinnt in Wengen zum zweiten Mal nach 2012 die Lauberhorn-Abfahrt. Diesen Höhepunkt vor 35000 Zuschauern verdankt der 30-jährige Emmentaler auch seiner Freundin.
14.01.2018 | 11:56

Raya Badraun, Wengen

Beat Feuz sass im Zielbereich wie ein König auf dem Thron. Von der Sonne angestrahlt, schaute er auf den Zielhang. Hier würden sie kommen, die Gegner. Feuz war der Erste, der an diesem Tag zur Abfahrt gestartet war. Nach seinem Lauf war er sich nicht sicher, ob es nun reichen würde oder ob er den Platz in der Siegerbox schon bald für einen anderen räumen muss. Seine Fahrt war schliesslich nicht perfekt gewesen. Doch dann biss sich ein Fahrer nach dem anderen die Zähne an seiner Zeit aus. Am nächsten kam ihm noch der Norweger Aksel Lund Svindal, der die Abfahrtswertung in dieser Saison anführt. Bei der letzten Zwischenzeit lag dieser gar leicht vorne. Am Ende verlor er jedoch 18 Hundertstel­sekunden. Im Ziel-S war Feuz deutlich schneller gewesen als seine Konkurrenten. Dritter wurde schliesslich der Österreicher Matthias Mayer, der 2012 in Sotschi Olympiagold in der Abfahrt gewonnen hatte. «Diesmal waren die beiden nicht zu schlagen», sagte dieser. Feuz, der Herr über dem Lauberhorn, konnte es sich also bequem machen auf seinem Sessel. Als die letzten Fahrer über die Piste rasten, nahm der 30-jährige Emmentaler bereits die ersten Glückwünsche entgegen.

«Das ist ein fantastischer Tag», sagte Feuz. «Viel besser hätte es nicht aufgehen können.» Zum zweiten Mal nach 2012 hatte er die Lauberhorn-Abfahrt gewonnen. Im Vorfeld hatte er damit geliebäugelt, gar ein Spektakel versprochen und auf ein Volksfest gehofft. Dieses bekam er schliesslich auch. 35000 Zuschauer verfolgten das Rennen bei besten Bedingungen am Rande der Strecke. Später verwandelten sie das kleine Dorf in eine Festmeile, die Guuggenmusig spielte auf, und überall wurden Schweizer Fähnchen geschwungen. Doch nicht nur die Anhänger unterstützten ihn am Lauberhorn.

Da war auch Katrin Triendl, seine Freundin. An diesem Tag in Wengen wich sie dem glücklichen Gewinner nicht von der Seite. Nach der Sieges­zeremonie, bei der Pressekonferenz, stand sie schliesslich hinter Feuz, seinen Blumenstrauss in der Hand. Es war ein Bild, das viel aussagte über diesen Erfolg. Seit zehn Jahren sind die beiden nun schon zusammen. Und im kommenden Sommer werden sie erstmals Eltern. Doch nicht nur privat stärkt sie ihm den Rücken.

Auch die Freundin ist in seinem Team

Triendl, die früher ebenfalls Skirennen bestritten hatte, arbeitete bis vor kurzem als Physiotherapeutin in einer Innsbrucker Sporttherapie. «Nach der Arbeit nach Hause zu kommen und dort den nächsten Patienten vorzufinden, war nicht ideal», sagte Feuz gestern mit einem Schmunzeln. Deshalb hat sie im vergangenen Jahr ihren Job aufgegeben, wurde Teil seines Teams und betreut nun nur noch ihn. Dadurch sei sein Umfeld noch professioneller geworden, sagt Feuz. Und es hat Ruhe in den Alltag gebracht. Feuz führt den Schritt auch als einer der Gründe auf, warum die Saisonvorbereitung so gut verlief wie seit Jahren nicht mehr. Denn Feuz ist nicht wie andere Skirennfahrer.

Seine Krankenakte ist lang. Elfmal wurde er bereits am Knie operiert, seiner Schwachstelle. Die schlimmste Phase erlebte er nach seinem ersten Lauberhorn-Sieg 2012. Damals hatte er eine Entzündung am Knie, die derart hartnäckig war, dass seine Karriere auf dem Spiel stand. Auch danach wurde es nicht ruhiger. Das letzte Mal fiel er im Sommer 2015 in der Vorbereitung auf die Saison aus. Damals erlitt er einen Teilabriss der Achillessehne und musste operiert werden. Seine Rückkehr erfolgte schliesslich beim Lauberhorn-Rennen, wo er nun, zwei Jahre später, triumphierte. Die Verletzungen haben Auswirkungen bis heute. «Momentan bin ich mehr oder weniger beschwerdefrei», sagte er nach dem Rennen. Doch Anfang Saison in Übersee, als seine Freundin nicht dabei war, hatte er zeitweise Schmerzen im Knie. Und noch immer nimmt er mehr als jeden zweiten Tag Therapie in Anspruch – dafür ist nun seine Partnerin zuständig.

Um so erstaunlicher sind seine Erfolge auf der Skipiste. Im vergangenen Jahr wurde er Abfahrtsweltmeister in St. Mo-ritz. Diese Saison konnte er an die starken Leistungen anknüpfen. Er gewann das erste Rennen in Lake Louise. Danach folgte ein zweiter Rang in Beaver Creek. Auch in den weiteren Abfahrten war der Schangnauer jeweils in den Top 8 platziert.

Olympiamedaille im Blick

Dank des Sieges am Lauberhorn nähert sich Feuz in der Disziplinenwertung Aksel Lund Svindal an. Noch liegt er 58 Punkte hinter dem Norweger. Vier Abfahrten folgen jedoch noch. Das nächste Rennen findet bereits am kommenden Samstag in Kitzbühel statt. Und da sind natürlich auch noch die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang. Mit seinen starken Leistungen gehört Feuz auch dort zu den Favoriten. «Mal sehen, ob ich die Saison weiter so durchziehen kann», sagte er gestern nach dem Rennen. Beim Platzinterview erwähnte er jedoch auch, dass er sich über eine Olympiamedaille freuen würde. Überraschen würde ein solcher Erfolg wohl niemanden.

Wengen. Weltcup-Abfahrt der Männer: 1. Beat Feuz (SUI) 2:26,50. 2. Aksel Lund Svindal (NOR) 0,18 zurück. 3. Matthias Mayer (AUT) 0,67. 4. Hannes Reichelt (AUT) 0,77. 5. Thomas Dressen (GER) 0,93. 6. Vincent Kriechmayr (AUT) 0,98. 7. Maxence Muzaton (FRA) 1,18. 8. Dominik Paris (ITA) 1,22. 9. Kjetil Jansrud (NOR) 1,53. 10. Peter Fill (ITA) 1,79. 11. Adrien Théaux (FRA) 1,84.

Ferner: 14. Gilles Roulin (SUI) 2,00. 15. Gian Luca Barandun (SUI) 2,16. 17. Aleksander Kilde (NOR) 2,24. 19. Marc Gisin (SUI) 2,32. 22. Mauro Caviezel (SUI) 2,40. 31. Patrick Küng (SUI) 2,74. 34. Nils Mani (SUI) 3,09. 40. Urs Kryenbühl (SUI) 3,70. 44. Stefan Rogentin (SUI) 4,71. 47. Ralph Weber (SUI) 5,03. - 62 Fahrer gestartet, 55 klassiert. - Ausgeschieden u.a.: Christof Innerhofer (ITA). 

Video: Tolle Stimmung am Lauberhorn-Klassiker

Sonnenschein, warme Temperaturen und der Sieg von Beat Feuz haben bei den Zuschauern der Lauberhorn-Abfahrt in Wengen für gute Stimmung gesorgt. Schweizer Fahnen und Kuhglocken sorgten für die Atmosphäre im Zielgelände, während Beat Feuz bei den Medien sehr gefragt war. (Sarah Ennemoser/sda, 13. Januar 2018)


Video: Die Schweiz jubelt mit Beat Feuz

Beat Feuz ist als Nummer Eins gestartet und hat die Lauberhorn-Abfahrt gewonnen. Interview mit dem Schweizer Skifahrer nach seinem Sieg. (Sarah Ennemoser/SDA, 13. Januar 2018)



Bildergalerie: Beat Feuz gewinnt die Lauberhorn-Abfahrt

Mit der 1 auf die 1: Zum zweiten Mal in seiner Karriere gewinnt Beat Feuz das Lauberhorn-Rennen. (Anthony Anex/Keystone )

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