Nidwalden
12.10.2017 05:00

Die Hergiswilerin Annette Meier tanzt der Konkurrenz davon

  • Annette Meier tanzt ihr Soloprogramm an den Schweizer Meisterschaften im Juni.
    Annette Meier tanzt ihr Soloprogramm an den Schweizer Meisterschaften im Juni. | Bild: PD
NIDWALDEN ⋅ Annette Meier ist Duo-Schweizer-Meisterin und Solo-Vize-Schweizer-Meisterin im Jazz- und Moderntanz. An der EM in St. Petersburg will sie ihre Erfolgsserie fortsetzen.

Franziska Herger

franziska.herger@nidwaldnerzeitung.ch

Annette Meier tanzt Ballett, seit sie drei Jahre alt ist. «Beim Tanzen kann ich loslassen und ganz ich selber sein», sagt die 19-jährige Hergiswilerin. Über die Jahre ist zu ihrer Ballettliebe auch noch eine Leidenschaft für Jazztanz und Moderntanz dazugekommen. Ihr Können in diesen Disziplinen zeigt Meier ab morgen Freitag an den Europäischen «Show Dance und Acrobatic Meisterschaften» in St. Petersburg, organisiert von der Internationalen Tanzorganisation IDO.

«Dort machen die Besten mit», sagt Meier. Dass sie dazugehört, zeigte sich im Juni, als sie mit ihrer Krienser Kollegin Lo­rena Zumstein Duo-Schweizer-Meisterin im Jazz- und Moderntanz wurde, sowie Solo-Vizemeisterin in der gleichen Diszplin. «Wir arbeiteten sehr hart dafür», erinnert sich Meier. «Dass wir so abräumen, hatte ich aber nicht erwartet.»

Sieben Tage und bis zu 20 Stunden Training pro Woche

Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr trug Meier noch öfter Ski- statt Ballettschuhe. «Ich bin Skirennen gefahren, wie schon mein Vater», sagt Meier. «Nachdem ich bei einem Skiunfall vier Rippen brach, war es damit aber leider vorbei.»

Stattdessen setzte Meier ganz auf das Tanzen. An der Ballett-Akademie und der Frei’s Talent School, beide in Luzern, macht sie eine Vorprofi-Ausbildung als Tänzerin. Bei Frei’s hat sie zudem vor Kurzem das dritte Lehrjahr einer KV-Lehre angetreten. Diese dauert vier statt nur drei Jahre, damit genug Zeit zum Tanzen bleibt. «Wir machen etwa 70 Prozent Ballett, 20 Prozent Jazztanz, und 10 Prozent Hip-Hop», erzählt Meier. Eine Sportschule stand ihr nicht offen. «Tanz gilt dort nicht als Sport. Das ist doch lächerlich», so Meier.

Als Vorbereitung für die EM in St. Petersburg, und danach für die Weltmeisterschaften Anfang Dezember in Polen, trainiert Meier sieben Tage und bis zu 20 Stunden die Woche. «Ich bin ziemlich perfektionistisch», meint sie. Das sei gleichzeitig auch das Schwierigste am Tanzen: «Man kann gar nie perfekt sein. Der Körper macht einfach nicht immer mit. Ich finde es schwer, damit zu leben.»

Trotzdem zweifelt Annette Meier nicht an ihren Chancen in St. Petersburg. Letztes Jahr wurde sie im Duo mit Lorena Zumstein vierte in der Kategorie Show Dance. «Ich weiss, dass ich es kann, wenn ich alles gebe», so Meier. «Ein Auftritt sieht meistens auch nach aussen gut aus, wenn er für mich stimmt.» Das Geheimnis sei, sich ganz auf den Tanz zu fokussieren. «Das gelingt zwar nicht immer gleich gut. Aber ich motiviere mich jeden Tag wieder neu.»

Der Traum von einer Profikarriere

Ihre grössten Konkurrentinnen in Russland seien die Norwegerinnen, so Meier. «Aber ich bin selber auch eine starke Konkurrentin für die anderen. Was der Jury am Ende besser gefällt, ist oft Geschmackssache.» Der Konkurrenzkampf hinter der Bühne störe sie nicht, meint Meier. «Dass nicht alle gleich freundlich sind, ist kurz vor einem Auftritt normal, und für mich auch ein Antrieb.»

Ihre KV-Ausbildung sieht Annette Meier als Versicherung: «Im Sport weiss man nie, wann es vorbei ist.» Doch sie träumt von einer Profikarriere als Tänzerin, trotz Heimwehgefahr. «Ich möchte an ganz vielen Orten auf der Welt tanzen», sagt Meier. «Aber leben möchte ich nur in der Schweiz.»

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