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KRIENS

Junge Asylbewerber randalieren im Grosshof wegen Geld

Mehrere Polizeipatrouillen mussten in der Nacht auf Freitag zum Durchgangszentrum im Grosshof ausrücken. Für die beteiligten Jugendlichen könnte das Konsequenzen haben.
12.01.2018 | 10:01
Aktualisiert:  12.01.2018, 19:00

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Um 23 Uhr sind die Polizisten am Donnerstagabend im Jugenddurchgangszentrum Grosshof in Kriens eingetroffen. Gemäss Kurt Graf, Sprecher der Luzerner Polizei, gab es einen Streit zwischen den jungen Asylbewerbern. «Die Einsatzkräfte sorgten im Grosshof wieder für Ruhe und Ordnung», so Graf. Etwa um Mitternacht sei die Situation unter Kontrolle gewesen.

Auch eine Ambulanz war vor Ort. Grund dafür sei ein Schwächeanfall gewesen. Ob es sich bei der betroffenen Person um einen Asylbewerber oder einen Betreuer handelt, kann Graf nicht sagen.

Wie kam es zum Streit? «Einige Jugendliche haben ihrem Unmut Luft gemacht», sagt Silvia Bolliger, Leiterin der zuständigen kantonalen Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen. Die Unzufriedenheit sei aufgrund der Auszahlung der wirtschaftlichen Sozialhilfe entstanden. Im Grosshof gebe es ein anderes Verpflegungssystem, als es die Jugendlichen von ihren vorherigen Unterkünften gewohnt seien. Für die Unter-16-Jährigen würden alle Mahlzeiten, für die Über-16-Jährigen die Mittagessen zentral bereitgestellt.

3 Franken pro Tag für Unter-16-Jährige

Vorher seien die Bewohner für einen grossen Teil ihrer Mahlzeiten selbst verantwortlich gewesen und erhielten entsprechend eine höhere wirtschaftliche Sozialhilfe. Im Grosshof werden an Jugendliche unter 16 Jahren noch täglich 3 Franken und an Jugendliche über 16 Jahren noch täglich 6 Franken ausbezahlt.

Diese Änderung machte am Donnerstagabend rund 20 der derzeit 90 Bewohner wütend. Ihr Unmut war so gross, dass sie im Zentrum randaliert haben. Dabei wurde laut Bolliger teilweise Mobiliar beschädigt. Welche Konsequenzen dies für die involvierten Jugendlichen hat, werde derzeit diskutiert. «Das könnte etwa eine Time-out-Platzierung in einer anderen Unterkunft sein», sagt Bolliger.

Der Vorfall wirft die Frage auf, ob die Betreuer in der Unterkunft mit der Situation überfordert waren. Letzten Herbst bemängelten mehrere im Asylbereich tätige Personen, dass minderjährige Asylsuchende zu wenig betreut würden (Artikel vom 3. Oktober). Braucht es nach dem Vorfall vom Donnerstag mehr Personal für die Jugendlichen? Bolliger verneint. Es seien am Abend zum Zeitpunkt des Vorfalls vier Betreuungspersonen vor Ort gewesen. Sie weist zudem darauf hin, dass solche Auseinandersetzungen eine Seltenheit darstellten.

Im Frühling 2017 gab es bereits einen Vorfall

Das Mitarbeiterteam des Grosshofs besteht aktuell aus 26 Personen, die 18,4 Vollzeitstellen besetzen. Das Tagesteam stelle die Betreuung bis 23 Uhr sicher, je nach Tageszeit seien zwischen vier und acht Mitarbeitende anwesend. Das Nachtteam sei jeweils mit zwei Personen vor Ort.

Der Vorfall am Donnerstag war nicht der erste in einem Jugendasylzentrum. Im Frühling 2017 wurden im Motel Pilatusblick in Kriens, wo die minderjährigen Asylsuchenden damals untergebracht waren, bei einem Streit fünf Personen leicht verletzt (Artikel vom 30. März 2017).

Die Bewohner des Zentrums Grosshof sind zwischen 14 und 17 Jahre alt. Sie stammen vorwiegend aus Eritrea, Äthiopien, Syrien und Afghanistan. Das Zentrum wurde vor rund zwei Monaten eröffnet, hat eine Kapazität von 120 Plätzen und ist vorwiegend für minderjährige Asylbewerber reserviert.

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