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JASSEN

«Die Schwyzer sind beim Differenzler Spitze»

Seit 2010 amtet Dani Müller (56) im Schweizer Fernsehen als Jass-Schiedsrichter. Letzte Woche organisierte der Appenzeller für unsere Leser eine Jassreise. Hier wiederum verrät er, wie gut die Zentralschweizer spielen.
09.10.2017 | 18:44

Dani Müller, beim Jassen ist der Spass schnell vorbei, wenn zu verbissene Spieler am Tisch sitzen. Wie ernst nehmen Sie das Kartenspiel?

Als Schiedsrichter und als Spieler nehme ich das Jassen ernst. Es gibt Regeln und Vorgaben. Die muss man unbedingt einhalten.

Sind Sie eher ein ehrgeiziger Jasser?

Wenn man nicht ein wenig ehrgeizig ist, braucht man gar nicht zu spielen. Aber ich bin nicht versessen. Heute rege ich mich nicht mehr so auf, wenn ich keine passenden Karten habe oder wenn es nicht läuft. Früher hingegen war ich ein schlechter Verlierer.

Wie zeigte sich der schlechte Verlierer?

Nicht so, dass ich am Tisch laut geworden wäre und meinen Frust an anderen Mitspielern ausgelassen hätte. Ich habe mir das Jassen einfach sehr zu Herzen genommen. Es kam öfter vor, dass ich deswegen nicht gut schlief.

Das klingt nach grosser Leidenschaft.

Das ist es. Mir gingen im Bett häufig Spielszenen des Abends durch den Kopf. Aber das habe ich lange nicht mehr erlebt. Wobei man sich immer ins Bewusstsein rufen muss, dass das Jassen auch viel mit Glück zu tun hat.

Sie sind soeben von einer Jassreise mit 37 Leserinnen und Lesern unserer Zeitung zurückgekehrt. Wie lief’s?

Eigentlich wie immer. Wer an einer Jassreise teilnimmt, liebt dieses Spiel. Die Leute jassen gerne und mit viel Engagement.

Was ist das für ein Publikum?

Die Teilnehmer sind meistens älter als 65. Fast immer sind Frauen in der Überzahl, dieses Mal war es ausgeglichen.

In der Zentralschweiz wird viel gejasst. Wie erleben Sie als Ostschweizer die Begeisterung in unserer Region?

Die ist tatsächlich spürbar. Bei Qualifikationsturnieren für den «Donnschtig-Jass» kann man darauf setzen, dass in der Innerschweiz 80 Personen teilnehmen, wenn sich anderswo in der Schweiz 40 Jasser anmelden. Nicht nur die Anzahl der Spieler ist grösser, es sind auch wirklich viele gute Jasser darunter.

Können Sie dies präziseren?

Ich behaupte, dass im Kanton Schwyz die besten Differenzler-Jasser daheim sind.

Unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrer Jass-Mentalität?

In der Qualität nicht. Aber wenn jemand am Tisch ausruft, ist es meistens ein Mann. Ich habe oft den Eindruck, dass viele Männer die Jasskünste der Frauen unterschätzen. Aber ich versichere Ihnen: Frauen sind nicht schlechter im Jassen. Trotzdem gewinnen meistens Männer bei Turnieren.

Woran liegt das?

Vielleicht, weil Männer mutiger spielen. Die legen eher ein Ass auf den Tisch, wenn noch Trümpfe im Spiel sind.

Welcher ist Ihr Lieblingsjass?

Der Coiffeur-Schieber, wenn ich mit Partnern jasse. Sonst spiele ich immer wieder gerne den Differenzler.

Spielen Sie mit Einsatz, also um Geld?

Immer. Pro Strich einen Franken. Das ist nicht viel, aber ohne Einsatz fehlt der Anreiz.

Auch ohne Anreiz gibt es sehr verbissene Spieler, die ihren Partnern keine Fehler verzeihen – und die eigenen nicht zugeben. Erleben Sie persönlich viele solcher Jasser?

Es gibt sehr ehrgeizige Jasser. Aber jene Leute, die Sie ansprechen, sind bei Turnieren selten.

Wie geht man einer Konfrontation aus dem Weg?

Wenn man an einem Turnier jemandem zugewiesen wird, der die Sache allzu ernst nimmt, muss man darüberstehen. Beim Jassen soll die Geselligkeit nicht zu kurz kommen.

Wie soll man seinem Partner die gewünschte Farbe an­zeigen?

Ganz klar: Wenn ich eine tiefe Karte einer Farbe ausspiele, erwarte ich, dass diese Farbe von meinem Mitspieler wieder gespielt wird. Das nennt man anziehen. Im Spiel werfe ich zuerst die Farben weg, die ich nicht suche. So gibt es keine Diskussionen.

Ich kenne viele Leute, die den Schieber nach alten Regeln spielen, also vier «Sieben» und vier «Achten» nicht weisen. Hat sich die neue Regel nicht durchgesetzt?

Dass nach den alten Regeln gespielt wird, ist ungewöhnlich. Das Jassreglement wurde vor rund 25 Jahren erneuert. Im Grundsatz wird nach diesen Regeln gespielt. Es wird alles gewiesen.

Wenn ich einen Dreifärber in der Hand habe, also nur drei von vier Farben, schiebe ich nie. Was sagt der Experte?

Das ist ein grober Fehler. Wenn Ihr Partner super Karten hat und Sie nicht schieben, vergeben Sie eine Chance.

Wann zieht der Jass-Schiedsrichter die rote Karte?

Das liegt im Ermessen der Turnierleitung. Wer unfair spielt, muss ein Turnier verlassen.

Was ist das schlimmste Verbrechen am Jasstisch?

Wenn jemand bewusst «bschisst». Das kann ich nicht verputzen. Persönlich habe ich dies aber nur einmal erlebt. Ich gehe immer vom Guten in den Leuten aus, auch beim Jassen.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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