Panorama
12.10.2017 17:41

Seniorenmörderin von Kilchberg versucht vergebens, sich herauszuwinden

  • Tatort Alterszentrum Hochweid in Kilchberg (ZH). Im November 2013 wurde dort eine Bewohnerin einer Alterswohnung getötet und beraubt.
    Tatort Alterszentrum Hochweid in Kilchberg (ZH). Im November 2013 wurde dort eine Bewohnerin einer Alterswohnung getötet und beraubt. | KEYSTONE/WALTER BIERI
BUNDESGERICHT ⋅ Eine ehemalige Nachtschwester ist mit einer Beschwerde vor abgeblitzt. Das Bundesgericht bestätigte das Strafmass von 15 Jahren wegen Mordes an einer Seniorin in einem Alterszentrum im zürcherischen Kilchberg.

Der Fall sorgte schweizweit für Schlagzeilen. Am 10. November 2013 wurde eine 88-jährige Bewohnerin des Altersheims Hochweid in Kilchberg tot in ihrem Bett aufgefunden. Auf ihren Armen fanden sich Blutergüsse, das Gesicht war entstellt aufgrund einer ätzenden Flüssigkeit. Die Seniorin war Opfer geworden von zwei Frauen, die mit einem Passepartout-Schlüssel deren Zimmer eingedrungen waren und ihr und ein mit flüssigem Gift (Salmaniak) getränktes Tuch ans Gesicht hielten. Die Seniorin erstickte.

Danach entwendeten die beiden Frauen 3000 Franken Bargeld, Schmuck und eine Bankkarte. Im letzten Dezember verurteilte das Obergericht des Kantons Zürich die mutmassliche Haupttäterin, eine ehemalige Nachtschwester des Altersheims, zu 15 Jahren Gefängnis wegen Mordes und Raubes. Deren jüngere Komplizin erhielt eine Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren.

Die jüngere Täterin akzeptierte das Verdikt. Die ältere, die ehemalige Nachtschwester des Alterszentrums, monierte Willkür. Vor Bundesgericht wollte sie einen Freispruch vom Vorwurf des Mordes und einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung erreichen. Die Richter in Lausanne bestätigten aber das Strafmass, wie aus einem am Donnerstag publizierten Urteil hervorgeht. So seien etwa fehlende Kampfspuren an den Händen des Opfers kein Hinweis darauf, dass die Rekonstruktion des Tathergangs willkürlich war.

In der Tat wies die Seniorin Hämatome auf, was auf Gegenwehr schliessen lässt. Das Bundesgericht liess zudem die Argumentation, der Tod sei auch eine Folge des allgemein schlechten Gesundheitszustandes gewesen, nicht gelten. Weder eine Lungen- noch eine Herzkrankheit relativiere den Einfluss der beiden Täterinnen auf die Todesursache.

Das Bundesgericht hielt auch den Einwand, die mutmassliche Haupttäterin habe die Wirkung von Salmiakgeist (Giftklasse 3) nicht genügend gekannt, für unglaubwürdig – weil sich auf der Flasche Gefahrenhinweise befinden und  die Substanz in der Apotheke nur gegen Unterschrift erhältlich ist. Die Richter in Lausanne schreiben deshalb: «Wer einer betagten Person einen mit Salmiak getränkten Lappen mindestens eine Minute lang auf den Mund und die Nase drückt, kann nicht mehr ernsthaft behaupten, er habe die Person nur betäuben wollen.»

Die mutmassliche Haupttäterin hatte zuerst ein Geständnis abgelegt, dieses aber später widerrufen. An der Gerichtsverhandlung im letzten Dezember sagte sie: « Ich war nicht dabei und habe damit nichts zu tun. » Sie versuchte, die Tat ihrer Komplizin und ihrem damaligen Freund zuzuschieben. Die jüngere Täterin hingegen bekannte: «Es ist einfach schrecklich, was ich getan habe.» 

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