Kultur
12.10.2017 07:51

«Flitzer» rennen über die Kinoleinwand

  • Beat Schlatter und Peter Luisi während der Dreharbeiten zu «Flitzer».
    Beat Schlatter und Peter Luisi während der Dreharbeiten zu «Flitzer». | Keystone
KOMÖDIE ⋅ Regisseur Peter Luisi und Hauptdarsteller Beat Schlatter über einen Satz, der ihrer Komödie «Flitzer» als diskriminierend vorgeworfen wird. Und über die Freude von Jörg Stiel an ihrem Anruf.

Interview: Geri Krebs

Beat Schlatter, Peter Luisi, gibt es in der Schweiz ein Humorproblem?

Luisi: Sie spielen auf das Skandälchen an, das eine Boulevardzeitung um den einen Satz kocht: «Deine Idee ist geistig behindert.» Ich kann nur antworten: Filmkomödien haben es beim Publikum oft weniger einfach, was ihre Akzeptanz betrifft, als andere Genres. Das hat vielleicht damit zu tun, dass eine Komödie ja etwas wagen, mutig sein muss – und vielleicht sind Schweizer in dieser Hinsicht tatsächlich etwas weniger mutig als in anderen Ländern.

Schlatter: Das sehe ich nicht so, nach meiner Erfahrung haben Schweizer kein Problem mit Humor, im Gegenteil. Schauen Sie nur, wie die Leute begeistert in Theater strömen, in denen Comedians auftreten. Aber beim Film ist es tatsächlich viel schwieriger als auf der Bühne. Wenn ich da Pointen aneinanderreihe, ist das viel einfacher als eine Geschichte zu erzählen, bei der man den Leuten noch Emotionen mitgibt. Und genau das ist Peter Luisi mit seiner Geschichte von diesem Lehrer mit all seiner Verletzlichkeit hervorragend gelungen.

Sie, Peter Luisi, machen seit zwei Jahrzehnten Filme, und Sie, Beat Schlatter, sind seit bald 40 Jahren im «Humorfach» tätig. Haben Sie schon einmal etwas Ähnliches erlebt wie die Beschuldigung, «Flitzer» sei diskriminierend?

Luisi: Nein, und ganz falsch war dann die Behauptung, ich hätte den beanstandeten Satz auf Schauspieler Bendrit Bajra abgeschoben. Nein, ich als Regisseur bin für alles verantwortlich, was in meinem Film gesagt wird. Und in fast jedem Film werden Dinge gesagt und getan, die man im realen Leben nicht sagen und tun sollte. Die Frage ist nur: darf man es trotzdem? Ich finde: Eindeutig ja, denn sonst dürfte man ja auch keine Krimis oder keine James-Bond-Filme mehr realisieren.

Schlatter: Ich möchte noch etwas präzisieren: Nicht Bendrit sagt die­sen Satz, sondern seine Figur, das ist ein grosser Unterschied. Zweitens ist es Aufgabe von uns Filmern und Autoren, Menschen so zu zeigen, wie sie sind und wie sie sprechen, und nicht so, wie es sich irgendwelche Moralwächter vorstellen. Und das Wort «behindert» haben schon wir als Kinder auf dem Pausenplatz benutzt, das war nie konkret gegen Behinderte gerichtet. Wir haben den Film kürzlich an einer Vorpremiere gezeigt, bei der viele Behinderte im Publikum sassen und sie haben sich null gestört gefühlt durch diesen Satz.

«Flitzer» ist bereits Ihre dritte Zusammenarbeit. Wie haben Sie sich kennen gelernt?

Luisi: Das war vor etwa acht Jahren, als Beat einen Werbespot realisierte, in dem ich mitwirkte. Wir merkten, dass unser Humor viele Gemeinsamkeiten hat. Als ich mich an die Realisierung von «Der Sandmann» machte, erinnerte ich mich an Beat. Zu meiner Freude sagte er zu. Wenig später spielte er in meinem Kurzfilm «Die Praktikantin» mit. Wir sind seither privat befreundet. Als er mir von der Idee mit einem Flitzer auf dem Fussballfeld erzählte, war ich begeistert.

Schlatter: Mein erster Kontakt mit dir reicht viel weiter zurück. Ich hatte im Kino «Verflixt verliebt» verpasst. Als die DVD herauskam, war es für mich die beste Schweizer Filmkomödie seit langem. Weil sich die Komik stets aus den Figuren heraus und nicht aus den Dialogen entwickelte. Ich dachte mir: Genau das ist es, was ich selber auch machen möchte.

Einige Prominente haben kleine Auftritte. Wie schwierig war es, sie zur Mitwirkung in «Flitzer» zu bewegen?

Luisi: Nein, es war eigentlich nicht so schwierig. Es ist erstaunlich was man alles bekommt, wenn man nett fragt.

Schlatter: Und wir brauchten einen Torwart, der sich bestechen liess. Wir wussten, dass es schwierig wird, einen noch Aktiven dafür zu gewinnen. Der ehemalige Nationalgoalie Jörg Stiel hat sich über unseren Anruf so sehr gefreut, dass ich dachte, möglicherweise hat er sein Leben lang auf ein solches Angebot gewartet.

«Flitzer» startet heute in den Schweizer Kinos.

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